Das härteste Skirennen der Welt - Expedition Amundsen in Norwegen

Es waren wohl die härtesten 100 Kilometer und 3500 Höhenmeter, die ich je bisher gemacht habe...doch gehen wir einmal zurück zum Anfang dieses Wahnsinns Abenteuers:

Vor einigen Monaten kam von meinem Hauptsponsor "Haglöfs" ein Anruf. Sie wollen Mich zu der "Expedition Amundsen" in Norwegen einladen. Ich zögerte keine Sekunde und sagte sofort zu! Ohne zu wissen, was da wirklich auf mich zukommt. Aber wieso? Ich liebe neue Herausforderungen und an meine Grenzen zu gehen und somit sah ich eine neue Chance mir und allen anderen wieder etwas zu beweisen.

Die nächsten Tage wurde mir erst wirklich bewusst auf was ich mich da einlasse...

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...es soll das härteste Skirennen der Welt sein mit den wohl kältesten und extremsten Bedingungen, die ich jemals zuvor erlebt habe. Dies schreckte mich aber keineswegs ab, sondern die Neugier wurde größer und größer umso näher wir dem Rennen kamen. In den nächsten Wochen lernte ich noch meinen Teampartner aus Berlin kennen. Er heißt Jerome Blösser und hat sein eigenes Reise- und Expeditionsunternehmen namens Puretreks. Wir verstanden uns auf Anhieb super und planten zusammen die Reise und gingen auf Sponsorensuche für verschiedenste Materialen. Mit Erfolg wurden wir mit einer super Ausrüstung ausgestattet. Das Material passt - nun mussten wir nur unsere gute Form beibehalten. Somit hieß es für mich - Vor dem Arbeiten eine kleine Runde trainieren, während dem Arbeiten immer wieder Stabilisationsübungen einbauen und nach dem Arbeiten nochmals eine Intensive oder lange Trainingseinheit einlegen. Mit einem Ziel vor Augen kann ich unmögliches leisten und die Motivation wurde von Training zu Training größer! Eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung ist bei solchen Höchstleistungen natürlich nicht wegzudenken und mit den Superfoods und auch dem Bio Protein Pulver von Wyld wurden meine Muskeln bestens geschützt und aufgebaut.

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Aber was ist denn eigentlich die "Expedition Amundsen"?

Der Name des Wettkampfes kommt von dem Legendären Polarforscher Roald Amundsen, der als erster Mensch den Südpol erreichte. Zusammen mit seinem Bruder probierte er die Hardangervidda im Jahre 1896 zu überqueren und sie mussten damals aufgrund der extremen Bedingungen fast mit ihrem Leben bezahlen. Er erzählte, das diese Expedition nicht weniger gefährlich gewesen sei, wie all seine anderen.(Südpol, Nordpol Grönland…).

Auf so einer Expedition führt man eine Pulka mit sich. Dieser Schlitten ist gefüllt mit Allem, was man auf der Reise braucht. Von Zelt, Schlafsack, Isoliermatten, Notfallbiwak, Wechselkleidung und -ausrüstung, Bekleidung für extreme Kälte, Essen, Kocher mit Geschirr und Brennstoff und auch Behälter (Thermoskannen) für Trinkwasser. Natürlich sind Karten, Kompass und heutzutage ein GPS nicht wegzudenken. Verlaufen kann man sich schnell einmal, denn bei den extremen Wetterbedingungen steht man oft im White-out sieht keine 2-3m mehr weit. Dazu kommt oft ein starker Wind und schnelle Wetteränderungen. Vom Sonnenschein bis zum schlimmsten Schneesturm - man muss auf alles gefasst sein und ist komplett auf sich alleine gestellt. Alleine in der Wildnis - Hunderte Kilometer entfernt von jeglicher Zivilisation.

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Die Vorbereitung

Ich trainierte in den heimischen Bergen und lief den meisten Tourengeher mit meiner beladenen 40kg Pulka davon, festgemacht mit einem Seil und Gurt an der Hüfte. Ich fühlte mich bereit für das Rennen und nur wenig später saßen wir zusammen in den Flieger nach Oslo (Norwegen). Es wurde langsam ernst. In Oslo angekommen ging es mit dem Nachtzug nach Finse und dem wunderschönen Gebiet, namens Hardangervidda. Wir waren einige Tage zuvor in Norwegen angereist um nochmals zusammen alle Handgriffe zu vertiefen, wie Zelt Auf- und Abbau, Schnee schmelzen, Essen zubereiten, den Umgang mit der Pulka bei Aufstieg und Abfahrten, sich an die Schneeverhältnisse anpassen und so weiter.

Ein paar Tage später sind wir dann in Eidfjord angekommen und standen unmittelbar vor dem Rennen. Die Pulkas noch laut vorgeschriebener Packliste gefüllt und durch die Kontrolle gezogen gab es kein Zurück mehr. Sie wurden in LKW's verladen und nach Haukeliseter gefahren. Am nächsten Morgen, Donnerstag den 25.03. fuhren wir mit den anderen Wettkämpfern mit Bussen dorthin. Die Pulkas, Skier und Stöcke wurden verteilt und es ging langsam aber sicher an die Startlinie.

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Es geht los!

Bei Sonnenschein sind wir in Haukeliseter gestartet, hatten aber schon bald später mit eiskalten Temperaturen im zweistelligen Minusbereich und extrem starken Wind zu kämpfen! Die beladene Pulka mit mindestens 40 kg machte es uns auch nicht leichter - Sie wurden am Start und Ziel gewogen.

Man musste gesamt 8 h an 3 Checkpoints auf der Strecke pausieren. Also war es unser Ziel zwischen den "Haltestellen" alles zu geben und uns dort dann bestmöglich zu regenerieren! Wir liefen so ziemlich die ganze Nacht durch, hatten effektiv vielleicht 1-2 Schlaf und kämpften uns von Checkpoint zu Checkpoint. Dort angekommen hieß es jedes Mal schnell das Zelt aufstellen damit wir von dem eisernen Sturm geschützt waren und mussten für Trinkwasser Schnee schmelzen. Natürlich wurde auch etwas gegessen und die Augen kurz zu gemacht bevor es wieder weiterging! Man war mit allem komplett auf sich gestellt. Verpflegungsstationen oder dergleichen suchte man vergebens... Die Lichter anderer Teilnehmer und der Vollmond sorgten für eine Wahnsinns Kulisse, sofern man durch die extremen Wetterbedingungen und Whiteout's sehen konnte... Über hügelige Landschaft, die sehr nach weißen Dünen erinnert, glitten wir dahin... Nicht ohne Grund wird die Hardangervidda auch "Eiswüste des Nordens" genannt! Es ging ständig bergauf und bergab, zwischen Kilometer große vereiste Seen, die wir überqueren mussten. Wir kämpften uns wacker durch das Gebiet. Auf den letzten 20 Kilometer musste mein Teampartner jedoch das Tempo reduzieren und somit sorgte ich dafür, Ihm die letzten Stunden so einfach wie möglich zu gestalten. Ich nahm Ihm einiges an Gewicht und Arbeit ab... Ich schaute, dass er genügend zu trinken und essen bekam ohne groß anzuhalten. Denn eines konnte er trotz Erschöpfung - in einem Tempo durchlaufen - und dies nützte ich vorsichtig aus!

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Am Ende ging es noch in einen langen und steilen Downhill der mit der Pulka ein absoluter Kraftakt. Er führte uns nach Maurset und somit in Richtung Ziel, wo wir herzlichst von der Crew und Zuschauern empfangenen wurden! Solche Zieleinläufe im Team sind ganz schön emotional! Wir genossen den Jubel sehr und erfreuten uns über eine heiße Suppe am Lagerfeuer und die Geschichten mit Höhen und Tiefen der anderen Teilnehmer

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Ist es wirklich das härteste Rennen der Welt?

Ich habe schon bei vielen extremen Wettkämpfen teilgenommen, wie Patrouille des Glaciers, Trofeo Mezzalama, Motatapu Adventure Run... aber die Expedition Amundsen hat es so richtig in sich! Die ganzen Faktoren zusammen, wie eiserne Kälte im Zweistelligen Minusbereich, orkanartiger Wind, White Out, extreme und schnelle Wetteränderungen, die lange Strecke mit den Höhenmetern, das Navigieren, komplett auf sich alleine gestellt zu sein...Macht es seinen Namen alle Ehre! Es wird nicht mein letztes Mal gewesen sein! Nächstes Mal werde ich mich der Herausforderung alleine stellen!