Eine Lücke im Lebenslauf? Geil war's!

Nachdem ich im Herbst beruflich eine Menge zu tun und kaum Zeit für Abenteuer hatte, gehe ich für meine heutige Story ein wenig zurück in die Vergangenheit, Oktober 2014, und erzähle euch etwas über meine "Lücke im Lebenslauf“. Eine große Reise war schon lange in Planung, aber mir fehlte stets der passende Zeitpunkt. Doch irgendwann musste ich mich fragen, ob es diesen überhaupt gab: Einen Grund gab es irritierenderweise immer, der mich zuhause hielt. Als ich mich jedoch an den Schienbeinen und Sprunggelenk stärker verletzte und an Sport keineswegs zu denken war, packte ich meinen Rucksack und machte mich auf den Weg. Ganz nach dem Motto "Now or Never“ - und ich muss sagen: Das war die beste Entscheidung, die ich zu diesem Zeitpunkt nur fällen konnte.

Bergkamm

Warum Neuseeland?

Es gibt auf der ganzen Welt so viele Länder und Kulturen, die es zu entdecken gilt. Ob Kanada, Südamerika, Asien, Australien oder auch unser schönes Europa. Jedes Gebiet hat seine eigenen Reize.
Ein Land hat mich aber schon lange in seinen Bann gezogen: Neuseeland mit seiner beeindruckenden und fast unberührten Natur und der so abwechslungsreichen Landschaft. Auf der Südinsel erstreckt sich ein gigantischer Alpenkamm entlang des Horizonts; tiefe Fjorde geben atemberaubende Ein- und Ausblicke auf gigantische Felsmassen, die sich aus dem dunklen, stillen Wasser erheben. Gewaltige Gletscher und spektakuläre Berge lassen das Bergsteigerherz höher schlagen.

Tongariro Crossing - aIMG_0594

Die Nordinsel Neuseelands

Auf der Nordinsel hingegen erheben sich große, Asche spuckende Vulkane und rot umrandete Krater beeindruckend aus der Ebene. Mit den smaragdgrünen Seen erschaffen sie ein ungewöhnliches und doch farbenprächtiges Naturschauspiel. Sanft geschwungene grüne Hügellandschaften mit friedlich weidenden Schafen und Kühe erwecken eine träumerische Idylle. In den Regenwäldern wiederum beeindrucken nicht nur die riesigen und uralten Kauri-Bäume, sondern auch die vielfältigen Arten exotischer Vögeln. Von cleveren Bergpapageien namens "Kea" über elegant fliegende "Fantails" bis hin zu dem Nationaltier "Kiwi", den jedoch nur eine Handvoll Menschen zu Gesicht bekommen. Gefährliche Tiere trifft man auf dem Festland vergebens. Rund herum findet man die schönsten Strände und Buchten - vom schwarzen Vulkansand bis zum karibisch goldenen Sandstrand. Auch wenn man oft weit weg von jeglicher Zivilisation ist: Alleine ist man nie, und überrascht wird man hier zusätzlich von wilden Pinguine, Seelöwen, Delphinen oder auch Walen. Nicht zu vergessen ist die Geschichte und Kultur der Ureinwohner - Maori - mit ihrem weltbekannten und furchteinflößenden rituellen Tanz, namens "Haka".

Meer Cathedrol Cave - aIMG_4249

Abenteuer Neuseeland: Sandstrand und Lavagestein

Der Rucksack war gepackt und ich auf dem Weg ins "Land der langen weißen Wolke". Nach rund 23 Flugstunden von München landete ich letztendlich auf der Nordinsel in Neuseeland und war somit am anderen Ende der Welt angekommen. Zuerst kaufte ich mir einen Van, den ich zu meinem neuen fahrbaren Zuhause umbaute und ausrüstete. Das Abenteuer begann und binnen kurzer Zeit landete ich am Meer mit wunderschönen Buchten und Sandstränden. Sie sorgten dafür, dass ich meine Seele baumeln lassen und meinen Körper entspannen konnte. Die Verletzungen heilten in Höchstgeschwindigkeit. Meine Blicke waren jedoch stets auf eines gerichtet - die vereisten Vulkane ringsherum. Sie faszinierten und machten mich neugierig. Diese lavaspuckenden Berge nur von unten zu sehen, war mir nicht genug und somit ließ ich keinen einzigen der Nordinsel aus.

Mt Ruapehu - aG0062470a

Mt. Taranaki & Mt. Ruapehu: Klettern im ewigen Eis

Auf den Mt. Taranaki (2.580m) an der Westküste stellte ich sehr wahrscheinlich einen neuen Rekord mit den "meisten Besteigungen und Umrundungen als Tourist" auf. Er war meine Spielwiese und ich konnte die Besteigungen tatsächlich nicht mehr an beiden Händen abzählen – auch das innerhalb kürzester Zeit. Ich war eine Weile in diesem Gebiet bei einer Familie zu Gast und wurde schnell in dem kleinen Ort namens Okato integriert und bekannt. Ich schloss viele Freundschaften und lebte den "Kiwi Lifestyle".

Ein ganz besonderes Erlebnis durchlebte ich, als ich drei Nächte in dem Krater des höchsten Vulkanes der Nordinsel - Mt. Ruapehu (2.797m) - biwakierte und mich den ganzen Tag beim Klettern im Eis austobte. Man konnte nachts das Sprudeln der Lava hören und die Hitze spüren. Ein weiteres Highlight war das "Tongariro Crossing". Es zählt zu den schönsten Tageswanderungen der Welt und das auch nicht ohne Grund: Feuerrotes und dunkelschwarzes Lavagestein, aktive Vulkane und sprudelnde smaragdgrüne Kraterseen mit steigendem Wasserdampf und starkem Schwefelgeruch. "Bin ich überhaupt noch auf der Erde?", fragte ich mich an diesem Tag desöfteren...Aber seht selbst:

Mt Taranaki - aIMG_3355 Tongariro Crossing - aIMG_0901

Die Ureinwohner Neuseelands: Die Maori und ihre Geschichte

Weiter ging es mit der Geschichte Neuseelands. Ein Land zu bereisen und nichts von der Vergangenheit zu erfahren, kommt für mich nicht in Frage. Die Ureinwohner werden "Maori" genannt und ihre Historie ist reich an Geschichten und Legenden. Die Schöpfung Neuseelands wird in der Legende von Maui beschrieben:

"Eines Tages ist der Halbgott Maui zum Angeln gegangen und hat mit seinem magischen Haken einen sehr großen Fisch gefangen. So groß, dass es die Kraft von Maui und seinen vier Brüdern brauchte, um ihn einzuholen. Dieser Fisch war die Nordinsel, mit dem Schwanz im Norden und dem Kopf im Süden. Die Nordinsel wird von den Maori auch Te Ika a Maui (Mauis Fisch) genannt und die Südinsel soll ein Waka (Kanu) sein mit Stewart Island (Rakiura) als Punga (Anker). Schauen Sie sich einmal eine Neuseeland-Karte genauer an."

Maori Ureinwohner - aIMG_3280a 2

Nicht nur an ihrer Sprache bemühte ich mich, sondern auch an dem weltbekannten rituellen Tanz namens "Haka". Es ist ein furchterregendes Schauspiel, um die physische Überlegenheit und Verfassung der Krieger zu zeigen sowie dem Gegner Angst einzujagen. Die Rugby Nationalmannschaft Neuseelands - The All Blacks - führen diesen Tanz vor jedem Spiel auf und schüchtern ihre Rivalen mit Erfolg ein.

Vier abenteuerliche Monate auf der Nordinsel

Nach all den Eindrücken und Erlebnissen ging es für mich wieder entlang der Küste in Richtung Süden. Der Frühling ging langsam zu Ende und die ersten warmen Sommertage kamen. Ich genoss das Meer sehr und tobte mich aus - auf dem Surfbrett und auch bei anderen sportlichen Aktivitäten. Den Blick auf den Horizont gerichtet, den Duft des Salzwassers in der Nase und das Geräusch der Wellen um mich herum...Das Meer hat schon etwas Magisches an sich - Entspannung pur!

Nach wunderbaren und abenteuerlichen vier Monaten auf der Nordinsel ging es für mich in Richtung Südinsel. Die südlichen Alpen, gigantische Gletscher, beeindruckende Fjorde und das alles bei einer nur geringen Bevölkerungsdichte, also spürbar mehr Schafe und Kühe denn Menschen, all das sollte bereits bei den Erzählungen im Vorhinein meine Vorfreude auf das neue Abenteuer schüren. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich euch bald erzählen möchte. Bis zum nächsten Mal, "Tae noa te wā i muri mai”!