Das Abenteuer geht weiter

Die Nordinsel mit Ihrer eigenartigen und vielfältigen Art hat mich stark beeindruckt und nicht selten kam ich mir vor, als wäre ich an einem Ort abseits dieses Planeten. Doch es zog mich weiter und die Vorfreude auf die Südinsel war riesig.
015 Nelson Lakes

Im Einklang mit der Natur

Mit der Fähre ging es von der Hauptstadt Neuseelands "Wellington" in den Süden zu einem Fischerdorf namens "Picton". Empfangen wurde ich mit den ersten Sonnenstrahlen an den Marlborough Sounds. Hügelige und dicht bewaldete Insellandschaften weckten meine Neugier und ich erkundete die Gegend in vollen Zügen mit einigen mehrtägigen Wanderungen. Begleitet wurde ich dabei nur von tausenden verschiedenen Vögeln, die um meine Ohren flogen und die Luft mit ihren Gesängen erfüllten - diese Idylle faszinierte mich ungemein. Auch die Sonnenaufgänge und -untergänge waren magisch und der Vollmond ließ die Nächte mit seinem Strahlen zum Tag werden.

Nach einigen hunderten Kilometern Fußweg suchte ich einen Ort zum Entspannen - Fündig wurde ich am Abel Tasman. Goldener Sandstrand und dunkelblaues Meer ließen mich förmlich dahinschmelzen und genoss ein paar friedliche Tage auf dem Wasser, indem ich mit dem Kajak einsame Buchten erkundete. Als ich am "Cape Farewell" und somit nördlichster Punkt der Südinsel ankam wurde ich wieder mit einer völlig anderen Landschaft überrascht. Ein kleiner Wüstenabschnitt mit hohen, mit messerscharfen Gräser bewachsenen Buchten und wilden Gewässern. Nicht nur Schafe fühlten sich in der rauen Gegend wohl, auch Seelöwen und Seehunde waren zu sehen.
010 Abel Tasman
Weiter ging es für mich auf den Abel Tasman Track”, einer der “Great Walks". Ich folgte dem Weg durchs Landesinnere und durch Wälder bis zum anderen Ende des Nationalparks. Von dort aus ging es entlang der Küste zurück zum Ausgangspunkt. Der „Abel Tasman Track“ stellte sich als unglaubliche Bereicherung heraus und führte mich vorbei an goldenen Sandstränden und Buchten mit dem klarsten Meereswasser, das ich je gesehen habe.

Nach dem Abstecher ging es dann langsam aber sicher weiter in Richtung Süden - und somit zu den Alpen. Immer wenn mich auf meinem Weg die Neugier packte, wurde das Auto am Straßenrand stehen gelassen und mit den Laufschuhen ging es dann auf Erkundungstour – und das konnte dauern. Nicht selten stand das Auto dann auch mal mehrere Tage am selben Ort während ich mich, verzaubert von der Natur, in den Bergen und tropischen Wäldern verlor.
022a Kea Begegnung

Wilde Weggefährten – die Kea Papageien

Eine ganz besondere Begegnung erlebte ich mit dem wohl cleversten Gebirgspapageien der Welt - einem Kea. Er ist an seinem relativ unauffällig gefärbten, grünlichen Federkleid mit der orangenen Färbung unter den Flügeln, gut erkennbar. Man darf sich aber nicht durch seine Schönheit blenden lassen - Der Vogel ist überaus intelligent und könnte ohne Probleme einen ganzen Rucksack ausräumen, weshalb Touristen mit den Papageien schon unangenehme Erfahrungen gemacht haben. Ihre Heimat ist das Hochgebirge, wo sie keine natürlichen Feinde fürchten müssen. Als ich mehrere Tage alleine im hohen Gebirge unterwegs war, begleitete mich ein junger Kea. Er wich nicht von meiner Seite und zog über mir seine Kreise. Egal auf welchen Gipfel ich stand - die Aussicht wurde miteinander genossen. Er ließ sich von mir streicheln und suchte abends als es dunkel wurde meine Nähe. So schlief ich neben einen wilden Kea unter freien Himmel und Millionen Sterne beobachteten uns. Erst als ich wieder an meinem Auto angekommen war schrie er noch einmal in voller Lautstärke, wie um sich von mir zu verabschieden und flog anschließend davon. Er war nicht nur mein Begleiter, sondern in meinen Augen auch mein Schutzengel, denn in den vergangenen Tagen war keine Menschenseele zu sehen und oftmals waren die Überschreitungen gefährlicher als erwartet.
024 Wanaka

Der Wilde Westen – „Höher, Schneller, Weiter“

Weiter ging es entlang der wilden und rauen Westküste. Die Gegend wirkte auf mich zwar verwüstet und verlassen, war in meinen Augen jedoch trotz allem, oder vielleicht auch deswegen, wunderschön. Gräuliche lange Gräser wehten mit dem ständigen Wind hin und her. Dadurch war der Strandsand weit ins Landesinnere verteilt. Der gewaltige Alpenkamm mit riesigen Gletschern war nicht fern. Nur wenige Kilometer vom Meer entfernt ragten bis zu 3.000 Meter hohe Berge aus dem Boden. Das Meer war meistens zu wild und die Wellen zu stark zum Schwimmen oder gar Surfen.

Über einen kurvenreichen Pass verließ ich die wilde Westküste und gelangte an einen großen und ruhigen See am Fuße der Ortschaft "Wanaka". Auf meiner bisherigen Reise lernte ich eine Gruppe junger Neuseeländer kennen bei denen ich in einer alten Hütte in einem verlassenen Waldstück wohnte. Sie lebten wie in vergangenen Zeiten, ohne Strom oder sanitäre Anlagen. Für die privaten Geschäfte gab es ein Plumpsklo und zum Duschen lediglich einen großen Eimer voll Regenwasser. Was den Sport betrag, waren sie mir ähnlich - und zwar nach dem Motto: "Höher, Schneller, Weiter". Sie zeigten mir ihr wildes Paradies und wir verbrachten die Tage hängend, indem wir kletterten bis uns die Finger nicht mehr hielten. Abends ging es dann noch auf einen Berg um den Sonnenuntergang in schönster Aussicht zu genießen. Auch die nahe gelegenen Gletscher ließen wir nicht außer Acht. Sie zeigten mir die schönsten Orte der Gegend und ich fühlte mich so frei wie noch nie zuvor. Die Ausblicke auf die dunkelblauen, jedoch klaren Gebirgsseen waren magisch. Mit Yoga und Meditation regenerierten wir unsere Körper, denn wir gingen fast täglich an unsere Grenzen und darüber hinaus. Ein besonderer Ort war am Fuße des Mt. Cooks, welcher mit 3.754m der höchste Berg Neuseelands ist. Viele Leute vergleichen die Gegend mit einem niedrig gelegenerem Nepal, denn die Aussichten auf die riesen vereisten Berge scheinen identisch. Ich konnte nicht aufhören zu staunen und träumte, selbst einmal am Gipfel des Berges zu stehen. Meine Freunde warnten mich jedoch davor, denn die Todesrate der Besteiger sei hoch und die Sommermonate seien zudem die Ungünstigsten. Somit kletterten wir nur am Fuße des Berges und erkundeten die Gebirgslandschaft rundherum. Der Gedanke an den Gipfel wird mich jedoch vermutlich noch ein Leben lang verfolgen. Eines ist klar: "Eines Tages stehe ich auf diesem Gipfel..."

Ich tankte in dieser Zeit Unmengen an Kraft und Energie, die ich dann auch später bei dem Ultramarathon "Motatapu Adventure Run" benötigen würde. Mit einem 4. Gesamtrang konnte ich nicht nur Neuseeland beindrucken, sondern auch mich selbst.

 

041 Fjordland-1

Kräftezehrende Stunden im Fjordland

Auf dem Weg an den südlichsten Punkt der Südinsel ging es ins Fjordland. Weg von dem wilden, steinigen und rauen Alpenkamm. Die Fjorde, welche tausende Meter fast senkrecht aus dem Meer hinausschließen waren saftgrün und auch teilweise vereist. Handyempfang oder Zivilisation war hier ein Fremdwort. Ich tobte mich einige Wochen dort aus und erklomm so manche spitze Berge, die mich mit einer Wahnsinns Aussicht auf das Gebiet belohnten. So wunderschön es dort auch war, es gab ein großes Problem – „Sandflies“. Die kleinen mückenartigen Insekten bescherten mir mit ihren schmerzhaften und unbeschreiblich stark juckenden Stichen so manch unangenehme Stunde.
035 Stewart Island
Es zog mich auf zwei weitere Great Walks (Routeburn und Kepler Track) und abermals ließ ich meine Seele während dem Laufen baumeln. Jedoch zehrte die vielen Stunden unterwegs langsam aber sicher an meinen Kräften. Glücklicherweise wurde ich bald von einer gastfreundlichen Bauernfamilie empfangen, die mich stärkten und wieder aufbauten. Wir hatten eine tolle Zeit zusammen und schlossen eine enge Freundschaft. Sie erzählten mir von der "Stewart Island"(auch als 3. Insel Neuseelands bekannt) und erzählten mir von einem Track, der rund um die Insel führt. Noch im gleichen Satz warnten Sie mich, dads man dort komplett auf sich gestellt ist und die Wege zum größten Teil schwer begehbar sind. Es seien nur vereinzelte Jäger und Wanderer dort anzutreffen. Die Landschaft jedoch, soll mit ihrer Unberührtheit und Schönheit bestechen können. Ohne eine Sekunde zu zögern, nahm ich die Herausforderung an. Der Rucksack war gepackt und ich war auf rund 150 Kilometer mit 10.000 Höhenmetern eingestimmt. Mit dem Boot ging es auf die Stewart Island und noch am gleichen Tag startete ich mein Abenteuer. Der Track war voll von Schlamm, welcher mir teilweise bis zur Hüfte ragte und das Fortbewegen erschwerte. Langsam saugte es mir die Kräfte aus den Beinen und mir wurde klar, dass ich unter solchen Umständen maximal 25 bis 30 Kilometer am Tag zurücklegen konnte. Jeder Tag war ein Kampf mit der Psyche und dem Körper, obgleich mich die schönen Ausblicke und Buchten jeden Schmerz für kurze Zeit vergessen ließen. Noch vor Sonnenaufgang begannen für mich die Tage und erst kurz vor Einbruch der Dunkelheit brach ich mein Lager auf und ließ mich umgeben von schönster Natur und interessanten Pflanzen nieder.

Was mich besonders freute war die Begegnung mehrerer Kiwis. Sie sind das Nationaltier Neuseelands, äußerst scheu und aufgrund ihrer schlechten Augen komplett hilflos. Meistens sind sie nachts unterwegs, da dort wenige Feinde auf Sie lauern. Nach 7 Tagen kam ich wieder an dem kleinen Fischerdorf an, wo mich ein Boot empfing. Laut Kapitän schien ich komplett abgemagert gewesen zu sein. Zurück auf dem Festland der Südinsel versorgte mich die Bauernfamilie ein weiteres Mal und päppelte mich abermals auf. Als Gegenleistung half ich auf der Farm aus und lernte den Lifestyle der neuseeländischen Landwirte kennen.
047 Südinsel Abschied

Das Abenteuer meines Lebens

Nachdem ich wieder zu Kräften kam und es Zeit war weiter zu reisen, plante ich meine Route zurück zur Nordinsel und auch weiter nach Australien. Es sollte entlang der Ostküste gehen. Sie war das komplette Gegenteil zur Westküste. Oft ruhiges Gewässer mit kleinen Wellen, kaum Wind und eine Stadt oder Dorf nach dem Anderen, da es relativ flach war. Ich kam an den schönsten Wasserfällen und tropischen Regenwälder vorbei, die ich je gesehen habe. Sie waren wie aus dem Bilderbuch - So fesselnd und bunt. Ich beobachtete Pinguine, die vor der Dunkelheit aus dem Wasser zurück zu Ihrem Bau hopsten. Ich schwamm und surfte mit Delphinen, die mit mir spielten und auch über mich sprangen. Seelöwen und -hunde waren auch nie fern. All die Bekanntschaften mit den wilden Tieren prägten mich sehr. Sie zeigten mir, wie nahe man als Mensch der Natur sein kann und wieviel Spaß man miteinander haben kann, auch wenn sie in der freien Wildbahn leben. Solche Momente verändern Leben, Gedanken und Ansichtsweisen. Den großen Schritt gemacht zu haben und alleine auf Reise zu gehen war wohl das Beste, das ich machen konnte. Es gab mit Sicherheit Momente an denen ich an meine Grenzen kam, aber solche Hürden prägten mich und machten mich zu einem völlig anderen, selbstständigeren Menschen. Ich lernte auch, mit dem Minimum an Essen, Trinken und Ausrüstung auszukommen und die wahren Grenzen meines Körpers einzuschätzen. Nicht nur die Begegnungen mit den Tieren, sondern auch all die neuen Freundschaften und Bekanntschaften machten meine Reise so besonders. Die Zeit vergeht leider oft viel zu schnell, aber solange man im Hier und Jetzt lebt und jeden Tag die Chance gibt, es zu dem besten Tag deines Lebens werden zu lassen, macht man alles richtig und (ER)LEBT!

Meinen Blog über meine Reise und das Abenteuer Neuseeland findet Ihr unter www.mountpacking.wordpress.com