Vorurteile gegenüber der Paleo Diät

Paleo basiert auf hohem Fleischkonsum, ist teuer und nicht nachhaltig - stimmt das wirklich?

Clean Eating, Veganismus, Slow Food, Bio - die neusten Ernährungstrends könnten unterschiedlicher nicht sein. Eins haben sie jedoch gemeinsam: die bewusste und gesunde Ernährung steht im Vordergrund. Auch Paleo hat viele begeisterte Anhänger dazu gewonnen. Doch mit steigender Bekanntheit wächst auch die Anzahl der Kritiker und Vorurteile. Was wirklich unter der sogenannten "Steinzeit Diät" zu verstehen ist, erklärt uns Anna Bremer mit diesem Gastbeitrag.

Die Paleo Ernährung basiert auf evolutionären Prinzipien. Die ersten Formen unserer Spezies, des Homo Sapiens, lebten bereits vor 300.000 Jahren und bis vor ca. 7500 Jahren lebten die Menschen als Jäger und Sammler. Ackerbau und Viehzucht waren unbekannt. Weißmehl, Zucker und stark verarbeitete, chemische Lebensmittel landen erst seit wenigen Jahrzehnten auf unseren Tellern. Deshalb orientiert sich Paleo an der Ernährung der Jäger und Sammler, die uns über hunderttausende von Jahren fit und gesund gehalten hat. Gegessen wird hochwertiges Gemüse, Obst, Fleisch & Fisch, Eier, Nüsse und Samen im möglichst natürlichen, unverarbeiteten Zustand. Trotz des simplen und intuitiven Konzepts gibt es einige Vorurteile und Missverständnisse, die wir näher betrachten möchten:

Vorurteil No. 1: Paleo basiert auf hohem Fleischkonsum

Der Mythos, dass man bei der Paleo Ernährung viel Fleisch essen muss, hält sich hartnäckig. Dabei wird nicht vorgeschrieben, wie viel man von einem spezifischen Lebensmittel essen sollte. Im Grunde kann man selber entscheiden, wie oft und wie viel Fleisch man essen möchte, solange es hochwertig und von grasgefütterten Tieren ist. Generell orientieren sich die meisten Anhänger aber grob an den Mengen, die auch von unseren Vorfahren konsumiert wurden. Sie mussten jagen und sich jedes Stück Fleisch hart erarbeiten. Deshalb ist es eher unwahrscheinlich, dass sie täglich tierisches Eiweiß konsumiert haben. Durch den Wegfall von Getreide und Hülsenfrüchten ist es so, dass die meisten Paleo-Anhänger unheimlich viel Gemüse essen und Fleisch nur einen kleinen Anteil ihrer Ernährung ausmacht. Außerdem liegt der Fokus der Paleo Ernährung, wie auch bei unseren Vorfahren, vielmehr auf nährstoffreichen Fetten als auf großen Mengen an Protein.

steak

Vorurteil No. 2: Gesättigte Fette sind ungesund

Da natürliche Fette im Mittelpunkt dieser Ernährungsweise stehen, sorgen sich viele Menschen um Ihre Gesundheit. Wissen wir denn nicht alle, dass tierische, gesättigte Fette ungesund sind? Seit den 70er Jahren gelten sie als gefährliche Dickmacher, der die Blutfett- und Cholesterinwerte erhöht und somit Herzkrankheiten fördert. Tatsächlich ist es jedoch so, dass gesättigte Fette vor allem das gute Cholesterin (HDL) erhöhen, was äußerst wichtig für die Hormonproduktion, Zellerneuerung und Vitaminabsorption ist. Des Weiteren konnte mittlerweile wissenschaftlich nachgewiesen werden, dass gesättigte Fette die Blutfettwerte nicht erhöhen, sondern sogar senken. Erst bei einem übermäßigen Omega 6 oder Kohlenhydratekonsum steigen die Blutfettwerte rapide. Dieses Ergebnis sollte uns jedoch eigentlich nicht überraschen, da die Ernährung des Menschen seit Jahrtausenden auf genau diesen gesättigten Fetten basiert und Herz-Kreislauf Erkrankungen erst innerhalb der letzten Jahrzehnte zum Problem geworden sind.

Vorurteil No. 3: Paleo führt zu Ballaststoffmangel

Aufgrund des Verzichts auf Getreide, Pseudogetreide und Hülsenfrüchte, wird der Steinzeiternährung vorgeworfen sie sei nicht ballaststoffreich. Das ist jedoch nur ein Mythos. Durch den hohen Obst- und vor allem Gemüsekonsum kommt man auf beachtliche Mengen pro Tag. Vor allem das nährstoffreiche, grüne Blattgemüse ist sehr ballaststoffreich. Hinzu kommt, dass man zusätzlich mit einer Vielzahl an Vitaminen, sekundären Pflanzenstoffen und Mineralien versorgt wird. Auch Nüsse und Samen gehören zu einer ausgewogenen Paleo Ernährung und sind ein hochwertiger, nährstoffreicher Ballaststofflieferant.

Assorted nuts (almonds, hazelnuts, cashews, peanuts)

Vorurteil No 4: Paleo ist zu teuer

Weidefleisch, Bio Produkte und viel Obst und Gemüse - das kann sich doch keiner leisten! Oder vielleicht doch? Man kann für nahezu jede Ernährungsform viel Geld ausgeben. Jedoch ist es mit ein paar Tricks durchaus möglich sparsam und trotzdem zu 100% Paleo zu leben. Regionales und saisonales Gemüse ist häufig weitaus günstiger als die Exoten aus Übersee und es wurde zudem reif geerntet und nicht weit transportiert. Hochwertiges Weidefleisch sowie Milchprodukte kauft man am besten nicht im städtischen Biosupermarkt, sondern direkt bei seinem Bauern des Vertrauens. Da spart man sich den Zwischenhändler, unterstützt regionale Kleinbetriebe und kann sich so auch gleich ein Bild von der Haltung der Tiere machen. Des Weiteren lohnt es sich natürlich immer Grundnahrungsmittel auf Vorrat zu kaufen, wenn sie im Angebot sind und sie portionsweise einzufrieren.

Vorurteil No. 5: Paleo ist nicht nachhaltig

Kühe machen einen enorm hohen Anteil unseres CO2 Ausstoßes aus und eine ausschließliche Weidehaltung ist unmöglich, da riesige Getreide-, Mais- und Sojamonokulturen den Welthunger bekämpfen und die Massentierhaltung sichern müssen - so zumindest die Theorie. Tatsächlich ist Paleo eine sehr nachhaltige Art der Ernährung. Zum einen ist der Fleischkonsum bei Paleo geringer als bei der konventionellen Ernährung, da nicht mehrmals täglich industrielle Fleischprodukte konsumiert werden. Außerdem muss die Herkunft des Fleischs berücksichtigt werden. Die Weidehaltung, die einzig natürliche Haltung für Kühe, ist im Gegensatz zu konventioneller Massentierhaltung ganz und gar nicht klimaschädlich. Weideflächen binden große Mengen an CO2 und Humus und tragen zur langfristigen Erhaltung eines fruchtbaren Bodens bei. Im Gegensatz dazu laugen großflächige Monokulturen den Boden aus, machen ihn für lange Zeit unbrauchbar und zerstören die Biodiversität. Abgesehen davon kaufen Paleo-Anhänger biologisch, regional und saisonal ein und tragen somit zu einer Verminderung der Pestizidbelastung des Bodens bei. So unterstützen sie außerdem Kleinbauern, die ansonsten mittelfristig von der industriellen Massentierhaltung verdrängt würden.

khe geniessen die abendsonne IV

Fazit

Die meisten Vorurteile gegenüber der Paleo Ernährung basieren auf veralteten Studien oder oberflächlicher Betrachtung. Im Grunde ist es ein ursprüngliches und natürliches Konzept, das auf unserer Geschichte und langjähriger Forschung basiert. Ob es vielleicht auch die passende  Ernährungsform für dich ist? Finde es heraus und entdecke einen Lebensstil der dir hilft dein Leben bewusster zu gestalten und zu genießen.

Über die Autorin

Anna ist der Meinung, dass Gesundheit ein Geschenk der Natur ist. Menschen leben seit tausenden Jahren auf der Erde und konnten ohne Antibiotika, Reformkost oder widersprüchlicher Wissenschaft gesund und glücklich leben. Diabetes, Übergewicht oder Herzkrankheiten existieren ihrer Meinung nach erst seitdem der Mensch sich von industriell gefertigten und stark manipulierten Lebensmittel ernährt. Anna macht es sich deshalb mit ihrem Blog Primaleating und ihrem liebevoll gestalteten Instagram Account primal.eating zur Aufgabe über traditionelle und nahrhafte Ernährungsweisen aufzuklären. Dabei ist es ihr wichtig nicht mit einer "all or nothing" Einstellung an das Thema heranzugehen, sondern zu zeigen, wie man mit einfachen Schritten gesünder leben kann.