Urban Gardening

Das kleine Stückchen mehr Unabhängigkeit in der Stadt

Grünzeug neben Grafitti und Blumen aus der Betonwüste – immer mehr Menschen setzen auf Lebensmittel aus eigenem Anbau und werden richtig kreativ, wenn es darum geht, den begrenzten Raum in den Städten für kleine Gartenprojekte zu nutzen. „Urban Gardening“ bedeutet natürlicher Anbau ohne Pestizide und regionales Gemüse direkt aus dem Herzen der Großstadt. Wir zeigen die am besten geeigneten Obst-/ und Gemüsesorten für den Anbau zu Hause.

Grün statt Grau – Subsistenzwirtschaft in der Stadt ist möglich

Subsistenzwirtschaft ist heute für viele ein Fremdwort. Kein Wunder, denn seit sich die Wirtschaft zum globalisierten Industriewunder gewandelt hat und die Supermärkte ganzjährig ein Sortiment aus allen denkbaren Gemüse- und Obstsorten führen, besteht keine Notwendigkeit mehr, sich selbst zu versorgen. Doch mit dem Gewinn der bequemen Supermarktversorgung steigt auch die Abhängigkeit und damit die Unsicherheit. Wir wissen nicht mehr genau, was wirklich auf unserem Teller landet. Mit welchen Stoffen kam das glänzende Gemüse aus dem Supermarkt wirklich in Berührung, bevor es im Kochtopf landete? Welche Pestizide schützten das Obst vor Schädlingsbefall und wie wirkt sich der Konsum auf den Körper aus? Fragen, auf die man nur ungenaue Antworten bekommt, sodass immer mehr Menschen dazu übergehen, ihre Rohstoffe zum Teil wieder selbst anzupflanzen.

Besonders Städter werden hier sehr kreativ. Frei nach dem Motto „Grün statt Grau“ verwandeln sie uniforme Balkone von tristen Betonbauten in blühende Gemüsegärten und wer keinen eigenen Garten oder Balkon hat, schließt sich einem lokalen „Urban-Gardening“ Projekt an. Hierbei werden Dachgärten und Äcker gemeinschaftlich genutzt und Rohstoffe selbst angebaut - und somit ein kleines bisschen Unabhängigkeit und Selbstbestimmung zurückgewonnen.

Erdbeeren und Tomaten – Herrlich unkomplizierturbangardening3_komprimiert

Beide rot, beide fruchtig und beide schmecken umso besser, wenn sie natürlich gewachsen sind. Die beiden Pflanzen sind sehr unkompliziert und anspruchslos, lassen sich ganz einfach in Balkonkästen, Hängeampeln oder Blumentöpfen ziehen und passen sich jedem Platzangebot an. Das schönste ist: Man kann mit vielen verschiedenen Sorten experimentieren: Schon einmal eine getigerte oder schwarze Tomate gegessen? Samen und Keimlinge gibt es auf vielen biologischen Märkten.

Kräuter – beliebter Fensterbrettklassiker

Kräuterpflänzchen sieht man zugegebenermaßen in vielen Küchen – meistens sind sie aber trotzdem aus dem Discounter, also warum nicht einfach komplett selbst anbauen? Wichtig bei Basilikum & Co ist ein großer Topf mit vielen Abflussöffnungen. Bekommen dann die kleinen Pflanzen noch ausreichend Sonnenlicht, steht dem Wachstum nichts mehr im Wege. Zusätzliche Wachstumsschübe gibt’s durch wöchentliches Düngen und gelegentliches Zuschneiden.

Radieschen – Turboknolle für Ungeduldige

Wer schnell ernten möchte oder dem deutschen Sommer nicht traut, sollte sich an der Aufzucht von Radieschen wagen, denn nach schon vier bis sechs Wochen kann man die erste Ladung ernten. Dafür brauchen Radieschen aber etwas mehr Platz, da sie in die Breite anstatt in die Höhe wachsen. In einem Balkonkasten im Halbschatten fühlen sich die kleinen Knöllchen aber richtig wohl.

shutterstock_259017929_komprimiertZwiebeln aus dem Wasserglas

Kein Balkon? Macht nichts, Frühlingszwiebeln lassen sich auch in einem Glas Wasser züchten. Einfach, wenn man das nächste Mal einen Lauch im Biomarkt kauft, die Zwiebelknolle nicht wegwerfen, sondern in ein Glas Wasser legen und mitverfolgen, wie die Triebe austreiben. Sobald der Trieb ca. 15 cm lang ist, lässt sich das Grün abschneiden oder auch die ganze Knolle benutzen - ansonsten kann man von einer Zwiebel ca. 2-3 Mal neuen Lauch „ernten“.

Salat und Kresse – coole Keimlinge

Keimline sind alles, was grüne Blätter angesetzt hat, aber noch nicht zur vollständigen Pflanze herangereift ist. Salate und Kresse fallen darunter und lassen sich völlig unkompliziert in Tontöpfen oder Blumenkästen anbauen.

Zuckererbsen – Kecke Kletterkünstler

Ist der Balkon schon voll mit Töpfen und Stauden, lässt sich auch das Eisengeländer nutzen, denn hier fühlt sich die Erbsenpflanze richtig wohl. Die Schotenpflanze nutzt das Geländer als Rankhilfe und klettert so den Balkon entlang. Achtung: Zuckererbsen sollten nicht mit Tomaten zusammenstehen, das hindert sie am Wachstum.

Chilischoten heizen die Wohnung einUrbangardening1_kpmprimiert

Chilischoten gehören zu den Paprikapflanzen und vertragen keinen Frost, weshalb die kleinen Pflanzen am besten in der Wohnung bei Zimmertemperatur herangezüchtet werden. Die scharfen Pflänzchen sehen nicht nur dekorativ aus in der Küche, sondern sind auch noch sehr platzsparend. Gestützt durch einen Holzstab wachsen sie unter regelmäßiger Düngung schnell zu den beliebten Scharfmachern heran, die jede Penne Arrabiata aufpeppen. Übrigens: Je früher Chilischoten geerntet werden, desto milder schmecken sie.

Zucchini für Fortgeschrittene

Wer Herausforderungen liebt, kann es mit der Zucchini aufnehmen. Die unscheinbare Pflanze ist nämlich vergleichsweise anspruchsvoll und fordert viel Platz, Licht und Feuchtigkeit ein. Trotz allem lässt sie sich auf dem Balkon anpflanzen, Voraussetzung ist allerdings ein Kübel mit einem Fassungsvermögen 15 bis 20 Litern, kompostierte Erde und viel Wasser.

Champignons aus dem Keller

Weder Garten noch Balkon? Kein Problem, denn Champignons mögen es dunkel, feucht und konstante Temperaturen. Diese Bedingungen finden sich in jedem Keller, wo die Speisepilze auch im Winter gedeihen und somit sogar das Weihnachtsmenü besonders schmackhaft machen können.