Israel - Reisebericht Teil 2

Ursprung der Religionen und Schmelztiegel der Kulturen

Im zweiten Teil ihres Reiseberichtes erzählt unsere Brand Managerin Katharina von ihrem Aufenthalt in Jerusalem, der Kulturvielfalt, den heiligen Stätten und wunderbaren Begegnungen.

Jerusalem könnte keinen größeren Kontrast zu Tel Aviv darstellen – die Stadt ist voll, hektisch, die Menschen drängen an einem vorbei – der Kulturschock ist im ersten Moment groß und wir sehnen uns zurück ins gelassene und freundliche Tel Aviv. Kaum stehen wir in einer Tram, diskutieren wir laut mit einer Karte in der Hand, ob wir wohl in die richtige Richtung, zu unserem AirBnB, fahren. Prompt werden wir von einer jungen Frau angesprochen, die ihre Haare unter einem Tuch versteckt hat und einen knöchellangen traditionellen Rock trägt. Sie fragt uns auf Deutsch ob wir Hilfe brauchen. Wir kommen schnell ins Gespräch und es stellt sich heraus, dass sie aus der Schweiz kommt und nach Israel gezogen ist, um einen orthodoxen Juden zu heiraten. Nachdem wir uns ihre Geschichte angehört haben, steigt sie doch tatsächlich mit uns aus der Straßenbahn aus, um uns in die richtige Richtung zu führen und das obwohl sie noch ein paar Stationen hätte fahren können – da ist sie wieder, die ersehnte Gastfreundschaft. Wir nehmen sie dankbar an und ziehen weiter.

Am nächsten Morgen machen wir uns auf zu unserer ersten geführten Tour durch Jerusalem. Wir wollen die Kulturvielfalt der Altstadt komplett aufsaugen und die Geschichte verstehen, die heute zu so vielen Konflikten führt. Erster Stopp: Klagemauer. Die Mauer wird von Soldaten bewacht, die uns einer Sicherheitskontrolle ähnlich dem Flughafen unterziehen. Während wir warten kommt ein trommelndes Geräusch auf uns zu und nach und nach können wir singende Stimmen erahnen. Wir haben Glück – heute ist Bar Mitzwa. Menschenscharen kommen uns tanzend entgegen. Die typischen „Aiaiaiaiaaaai“-Rufe lassen den Vorplatz der Klagemauer erschallen. Familien tanzen in Kreisen voller Lebensfreude durcheinander und ehe man sich versieht, werden wartende Touristen an der Hand genommen und in die tanzenden Kreise aufgenommen. Lachend bewegen wir uns zu den Rhythmen der Trommeln und geben uns dieser ausgelassenen Freude hin und tanzen mit. Wieder ein Highlight und wir fragen uns was Israel noch bieten kann – es fühlt sich beinahe wie ein Filmset oder ein Freizeitpark an, bei dem für Touristen alles extra schön und freundlich präsentiert wird. Doch die Israelis sind einfach so - Shalom eben.

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An der Klagemauer werden wir schnell still. Die Bar Mitzwa Festivitäten sind ernster geworden und in vollem Gange. Männer und Frauen stehen von einer Palisade getrennt an der Klagemauer und beten und einige Mütter schauen stolz über die Palisade auf ihre, in die Zeremonie eingebundenen, Söhne. Wir sind voller Ehrfurcht als wir näher an die Mauer herantreten – sie ist immerhin 21 vor Christus erbaut worden. Natürlich haben wir es uns nicht nehmen lassen ganz touristisch unsere Hand aufzulegen und die präsente Spiritualität voll aufzusaugen.

Von der Mauer aus gehen wir direkt in die nächste Sicherheitsschleuse, um den Tempelberg zu betreten – hier ist noch mehr Militär anzutreffen, weil der Ort prädestiniert für Anschläge ist. Wir fühlen uns trotzdem zu keiner Zeit unsicher und warten geduldig. Der Guide erzählt uns weitere spannende Details: Orthodoxe und streng gläubige Juden betreten den Tempelberg nicht, weil er für sie heilig ist. Oben auf dem Berg angekommen sehen wir zunächst die Al Aqsa Moschee – die drittheiligste Stätte des Islams, inmitten von Jerusalem. Vor der Moschee sitzt eine Schar verschleierter alter Frauen, die den Platz auf dem wir stehen aufmerksam mustern. Erneut werden wir aufgeklärt. Sollten Juden den Tempelberg betreten so müssen sie dies unter polizeilicher Aufsicht tun und so weit wie möglich von der Moschee entfernt bleiben, sonst werden sie von der Frauenschar angeschrien und im schlimmsten Fall mit Essen beworfen. Wir sehen eine kleine jüdische Gruppe vorbeiziehen, doch es bleibt ruhig auf dem Platz. Jedem der sich mit Israel beschäftigt ist klar, das man den Konflikten hier nicht ausweichen kann und dass das Land geschichtlich gespalten ist. Darum soll es hier jedoch nicht im Detail gehen. Von der Al Aqsa Moschee laufen wir weiter zum Felsendom, dem wichtigsten und heiligsten Platz des Judentums. Das golden besetzte Dach schimmert in der Sonne und wir sind vom Detailreichtum der Verzierungen vollkommen eingenommen. Gegenüber vom Tempeldom liegt der bekannte Ölberg auf dem einer der wichtigsten jüdischen Friedhöfe ist. Wir sind weiterhin gebannt und lassen uns von unserem Guide weiter durch die Stadt leiten, zu den heiligsten christlichen Städten.

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Wir gehen in die Grabeskirche – hier wurde Jesus offiziell gekreuzigt. Der Stein auf dem er abgelegt wurde nachdem er vom Kreuz genommen wurde liegt hier im Eingang und man sieht große Scharen an Christen, die darauf warten den Stein zu berühren und zu küssen. Wir sind wieder überwältigt, betrachten die detaillierten Mosaike in der Kirche die die Kreuzigungsgeschichte erklären und als wir wieder aus der Kirche laufen, gehen wir auch noch den Kreuzigungsweg entlang, zum Gesang des Muezins einer naheliegenden Moschee. Ich bin nicht religiös, aber man fühlt sich wirklich ehrfürchtig und klein, wenn man diesen Weg entlangläuft und seine Hand auf eine Stelle an der Mauer legt, auf der Jesus wohl einst seine Hand legte, um sich abzustützen. Ich will gar nicht weiter auf die religiöse Bedeutung der Stadt eingehen, aber es ist doch unfassbar zu begreifen, dass die Altstadt von Jerusalem für das Judentum, Christentum und den Islam solch eine historische Bedeutung hat. Wir sind von der Flut an Emotionen überwältigt und gehen frühen schlafen.

Am nächsten Tag spazieren wir auf eigene Faust durch die Stadt. Der erste Stop ist ein schönes Café im Zentrum. Wir sitzen in der Sonne und genießen unseren Kaffee, das selbstgemachte Granola und fühlen uns beinahe wie in Paris. Elegant gekleidete Menschen schlendern an uns vorbei und wir erleben wieder den typisch israelischen Lebensflair. Wir ziehen weiter in Richtung des Viertels Mea Sharim. Es ist das Viertel der orthodoxen Juden. Die Männer erkennt man an ihren traditionellen schwarzen Anzügen, ihren schwarzen großen Hüten, die sie über der Kippa tragen, und zwei lange Ringellockensträhnen die neben ihren Ohren bis unter die Schultern herabhängen. In Jerusalem scheint beinahe jeder Dritte ein orthodoxer Jude zu sein. Diese Gruppe ist unter den meisten Israelis verpönt. Sie leben wie vor 100-200 Jahren, leben vom Staat, weil die religiöse Ansicht es ihnen verbietet zu arbeiten und sind die Extremisten des Judentums, die sich für Konzepte wie getrennte Straßenbahnen für Männer und Frauen einsetzen. Wir sind gespannt und wollen uns selbst davon überzeugen.

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Vorgewarnt, dass wir uns komplett verhüllen müssen ziehen wir uns bodenlange Röcke an, ziehen unsere Strickjacken bis zum Kinn und den Handgelenken und wickeln unsere Haare in Tücher. Vor dem Viertel steht ein klarer Hinweis „Bitte respektieren sie unsere Kultur und ziehen sie sich entsprechend an. Touristengruppen sind hier nicht erwünscht.“ Unser Guide hatte uns noch berichtet, dass Besucher, die sich nicht an die Regeln halten bespuckt und mit Steinen beworfen werden. Das wollen wir natürlich vermeiden. Wir wagen uns ins Viertel und werden von allen Seiten gemustert. Ich möchte fotografieren, die Details festhalten aber ich kann mich nicht überwinden. Die Menschen scheinen sich hier wie Tiere im Zoo zu fühlen und ich möchte nicht auffallen. Also beobachten wir stillschweigend und langsam schlendernd. Die Häuser sind heruntergekommen, die Straßen strotzen vor Dreck, überall sehen wir nur Hüte und hunderte von Kindern, die auf der Straße spielen. Wow, vom Pariser Flair im Zentrum sind wir auf einmal hier gelandet. Jerusalem könnte wirklich nicht kontrastreicher sein.

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Wir ziehen weiter und machen uns auf den Weg nach Yad Vashem, dem Holocaust Museum. Auch hierauf will ich nicht im Detail eingehen. Ich kann nur sagen, dass man auch als Deutscher, der sich viel mit dem Thema beschäftigt hat, nicht für die Emotionalität der Stätte gewappnet ist. Der Holocaust wird einem noch unbegreiflicher, wenn man tagelang nur so gebannt ist von der Gastfreundschaft und Herzlichkeit der hier lebenden Menschen. Es macht einfach noch weniger Sinn und wir sind wieder einmal überwältigt. Ich kann jedem nur empfehlen sich die Gedenkstätte anzuschauen. Sie zeigt die Geschichte noch einmal aus einer völlig neuen Perspektive. Abends brauchen wir einen Kontrast zur Emotionalität der Holocaust-Gedenkstätte und machen uns auf zum jungen und hippen Mahane Yehuda Markt. Hier waren wir auch schon tagsüber und haben, wie auch auf dem Carmel Market in Tel Aviv, köstliche Gewürze, Gemüse und Obst probiert. Abends wird der Markt jedoch in ein Street Food Court umgebaut. Wir treffen einen israelischen Freund, der uns schnur stracks zu seinem Lieblingsstand führt. Wir schlemmen den ganzen Abend, trinken Bier und genießen die ausgelassene entspannte Stimmung, die uns eine willkommene Abwechslung zu unserem emotionalen Tag ist.

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