Everyone can do it!

Stop Asking, start travelling - Gastartikel

Fast jedes Mal, wenn Corbinian Buchberger vom seinen Reisen erzählt reagieren die Menschen gleich. Sie erzählen, dass sie auch wahnsinnig gerne eine solche Reise unternehmen möchten und wie glücklich er sich schätzen kann, dass er die Chance dazu hatte. In seinem Gastartikel klärt Corbinian uns auf, wie er sein Leben drastisch verändert hat, um seinen Traum von einer Weltreise zu verwirklichen.

„Wie kannst du das denn alles bezahlen? Sponsorn dich deine Eltern eigentlich die ganze Zeit?“ Ich kann es ehrlich gesagt nicht mehr hören und möchte euch deshalb erklären, wie das Reisen für jeden möglich ist:

Reisen ist keine Geldfrage. Man braucht nicht viel Geld um neues zu entdecken, da es sich nicht um einen Urlaub handelt, bei dem in kürzester Zeit viel Geld für Luxus ausgegeben wird. Reisen ist eine Frage der Einstellung. Wir bekommen von klein auf beigebracht, dass Sicherheit alles bedeutet: ein guter Schulabschluss, ein Studium und dann am besten einen gut bezahlten Job, danach Heirat, Kinder und Familie… Nicht zu vergessen die Absicherung gegen alles noch so erdenklich: Altersvorsorge, Unfallversicherung, Autoversicherung, Rentenversicherung, Haftpflichtversicherung, Hausratsversicherung, Sterbeversicherung etc. etc.

Das lustige ist, dass gerade die Menschen, die genau diesen Lebenspfad wählen, diejenigen sind, die mir ständig erzählen sie würden später reisen. Später - nachdem man sich vollständig abgesichert hat und mit „beiden Beinen im Leben steht“.  Erst muss das Studium abgeschlossen, das Praktikum absolviert oder ein besserer Job gefunden werden. So funktioniert das Ganze aber meiner Meinung nach nicht, denn Sicherheit ist das Gegenteil der Utopie von Freiheit. Wenn du also frei sein willst, musst du einen anderen Weg einschlagen. Oder drastischer gesagt: Du musst anfangen gegen den Strom zu schwimmen!

Kündige deine Wohnung, verkaufe alles was du nicht brauchst und nicht in zwei Koffern unterkriegen kannst oder verstaue dein Hab und Gut, von dem du dich wirklich nicht trennen kannst, bei Freunden – und fang bloß nicht an ein Haus zu bauen. Klingt erstmal sehr radikal, aber jetzt bist du frei.

Koffer und Taschen

Natürlich musst du nicht alles auf einmal aufgeben, aber die folgende kleine Rechnung soll meinen Gedanken verdeutlichen:

+ 1500€ Netto Einkommen
- 100 € Versicherung
- 500 € Miete
- 200€ Auto
- 50 € Fitnessstudio
- 30 € Handyvertrag
- 400 € Lebensmittel
- 100€ Hobbies
= 120€

 

120€ bleiben übrig, falls man nicht unbedingt neue Klamotten braucht oder eine andere Anschaffung bevor steht. Im Grunde genommen bleibt unter dem Strich also fast nichts übrig. Mit kleinen Änderungen kannst du hier schon viel einsparen und mehr Budget für deine Reisen schaffen z.B weniger Café trinken und ins Restaurant gehen:

+ 1.500 Netto Einkommen
- 500 € Miete
- 40 € öffentliche Verkehrsmittel
- 10 € Prepaid Handy
- 250 € Lebensmittel
- 100 € Freizeit
= 600 €

 

Wenn es wirklich dein Ziel ist um die Welt zu reisen, kannst du auch versuchen für ein Jahr in eine günstigere WG zu ziehen und dir einen Nebenjob suchen. Ich hatte Wochen in denen ich 60-80 Stunden gearbeitet habe. Natürlich ist das kein Zuckerschlecken, aber du wirst schnell merken, auf welchen Luxus du verzichten kannst. Auf Malta beispielsweise habe ich im Schnitt lediglich 400€/Monat ausgegeben: Für Miete, Essen, Freizeit, Feiern. Dafür habe ich mir meine 1 Zimmer Wohnung mit einem Tunesier geteilt; ein winziges heruntergekommenes Loch ohne Klimaanlage und der Duschschlauch so kurz, dass ich mich immer auf Knien duschen musste!

Und nicht zu vergessen: Wer mehr arbeitet, hat weniger Zeit Geld auszugeben. Mit Überstunden und Nebenjob hatte ich teilweise ein Gehalt von 2000€ Netto - allein 1600€ zum Reisen für einen Monat arbeiten! Außerdem lernt man Kleinigkeiten erst richtig zu schätzen, wenn man Sie sich eben nicht jeden Tag leistet.

Original old hand coloured map of the World on Mercators projection circa 1860, please note the countries are named as they were then i.e. Persia, Arabia and Siam etc. Joined from two pages of an atlas there are a few stains as expected with a document that's over 150 years old.

Jetzt zur tatsächlichen Reise: plane so wenig wie möglich! Maximal die Richtung und vielleicht die Dauer der Reise. Das schafft dir viel mehr Freiraum dich auf die aufkommenden Chancen und Möglichkeiten einzulassen. Viele behaupten, es wäre günstiger im Voraus alle (Innland-) Flüge und Unterkünfte zu buchen, aber ich kann euch eines versichern:  wenn du lang genug in einem Land bist, wirst du irgendwann wie ein „Local“ behandelt und „Locals“ bekommen die besten Preise.

Grob kalkuliert sieht eine Reise um die Welt also wie folgt aus:

Flugtickets:
ab 2000€ beispielsweise bei www.aroundtheworld.de

Der Vorteil dieser Tickets liegt darin, dass man zwar seine Route bereits festlegen muss, falls es einem aber in einem Land besonders gut gefällt genügt ein Anruf, das gesamte Ticket umzubuchen. So konnte ich für eine kleine Gebühr (30$) meinen Indonesien Aufenthalt zweimal verlängern und Neuseeland verkürzen.

Durchschnittliches Budget im Monat:
900€ (für Low Budget Anfänger evtl. etwas mehr)

Reisedauer:
8 Monate

Zeitraum um das Geld zu verdienen:
2000+8x900= 9200€

9200/600 = 15 Monate für Luxusliebhaber

9200/800 = 11 Monate für Verzichter und Sparfüchse

9200/1000 = 9 Monate für Reisejunkies

Vergiss aber nicht, dass du auch auf deinen Reisen arbeiten kannst! Du kannst viel Geld sparen indem du zum Beispiel für Kost und Logis arbeitest (workaway.com) oder in Australien/Neuseeland/Kandada einen work and travel Zwischenstopp einlegst.

Weltreise ohne couchsurfing.org geht gar nicht! 123 Nächte habe ich allein bei meiner letzten großen Reise auf einer fremden Couch/Bett verbracht und durch nichts lernt man die Kultur und das Leben im Ausland mehr kennen.

Jetzt, wo du weißt wie ich es gemacht habe hält dich doch nichts mehr auf, oder? Also hör auf nachzufragen und fang an zu reisen!

Über den Autor

DCIM104GOPRO

Corbinian Buchberger teilt auf seinem englischsprachigen Blog www.2travelis2.live neben ausführlichen Reiseberichten von seiner Weltreise und seinem Aufenthalt auf Malta auch leckere Rezepte und allgemeine Reisetipps, wie beispielsweise "The cheapest way to go to Machu Picchu" mit seinen Lesern.

Ab Dezember verschlägt es Corbinian übrigens wieder auf Weltreisen, dieses Mal zusammen mit seiner Freundin und deren gemeinsamen Projekt www.ultimateviews.de.  Das Ziel ist es kreative und individuelle Videos zu drehen, wobei die Herausforderung dabei natürlich nicht groß genug sein. Egal ob wunderschöne Landschaftsaufnahmen oder aufregende Free Climbing Videos - seid gespannt auf spektakuläre Aufnahmen aus jeder Ecke dieser Welt!